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(c) Linda Dannenberg/Selenophile Art

(c) Linda Dannenberg/Selenophile Art

Herzlos

Da stand sie nun.
Die wunderbarste Frau, der ich je begegnet war.
Wunderschön, klug, voller Liebe und Warmherzigkeit.
Ich wusste all dass, weil ich über die Jahre gelernt hatte andere Menschen zu lesen, nicht weil mein Herz es mir sagte, dass sie diese Eigenschaften in sich vereinte.
Nein, mein Herz konnte mir diese Dinge nicht sagen, denn es war gut verschlossen in einem Kästchen bei einer Hexe.Dort hatte ich es vor Jahren gelassen, im dummen Glauben, ich würde mich nie wieder verlieben können und vor allem nicht wollen.
Doch ich fühlte mich zu dieser Frau hingezogen und das nicht nur auf körperliche Weise. Auch ohne mein Herz spürte ich, dass sie sich um mich sorgte, dass sie wusste, dass etwas mit mir nicht stimmte, aber das hielt sie nicht davon ab mir zu zeigen, was sie für mich empfand.

Ohne mein Herz konnte ich ihr allerdings keine Liebe entgegen bringen und so musste ich kalt und herzlos auf sie wirken, auch wenn ich versuchte sie mit Lächeln und Gesten davon zu überzeugen, dass auch ich gern in ihrer Gesellschaft war.
Aber es half nichts. Nach Jahren in denen ich nicht von Gefühlen kontrolliert wurde und ohne diesen Ballast agieren konnte, hatte ich es verlernt liebevoll mit einem anderen Menschen umzugehen.

Je länger ich sie beobachtete, je mehr Zeit ich mit ihr verbrachte, umso gewisser wurde es, dass es so nicht weitergehen konnte.
Ich musste etwas unternehmen.
So wie ich mich damals entschlossen hatte etwas gegen mein Herz zu tun.
Die Frau, die ich meine große Liebe nannte, hatte mir das Herz gebrochen und der bloße Gedanke an sie hatte für einen brennenden Schmerz in meiner Brust gesorgt.
Es war ein unerträgliches Gefühl, dass ich nie wieder fühlen wollte.
Ich wollte schlichtweg gar nichts mehr fühlen.
Zu der Zeit erzählte man sich Geschichten über Hexen, die dafür sorgen konnten.

Also reiste ich zu Rosalia, sie war als gute Hexe bekannt und legte ihr mein Anliegen vor. Schweren Herzens willigte sie ein und erklärte mir, dass sie, um das zu tun mein Herz aus meiner Brust entfernen musste und ich nickte zustimmend. Es war mir nur recht, dieses schreckliche Organ nicht mehr mit mir herumtragen zu müssen.
Ich erinnere mich noch heute an das Gefühl, als sie es mir entnahm, als wäre es gerade erst geschehen. Es war das Letzte, was ich seither gefühlt habe.
Rosalia’s Hand hatte auf meiner Brust geruht und nach und nach war das schlagende Organ daraus hervor gekommen.
Es war ein merkwürdiges Gefühl gewesen.
Ein letztes Aufflammen meiner zerstörten Liebe, von Wut, Trauer und allen Gefühlen, die ich je empfunden hatte. Alles auf einmal spürte ich durch mich hindurch fließen und dann war da nur noch Leere.
Nichts.
Keine Regung mehr.

Vorsichtig hatte Rosalia mein Herz in ein verziertes Kästchen getan und zu mir gesprochen: „Ich werde es für dich aufbewahren für den Tag, da du es wieder brauchst“
In meinem Leichtsinn und noch immer leicht benommen von der Leere, die anstelle meines Herzens nun in mir war, hatte ich ihr gesagt, dass dieser Tag niemals kommen würde.
Sie hatte nur gelächelt, ihre Worte wiederholt und war gegangen.
Als hätte sie geahnt, dass ich eines Tages meine Entscheidung bereuen würde, so wie ich es heute tat.

Nicht länger gebunden an Gefühle und Emotionen, war ich in die Welt hinaus gezogen. Zwar musste ich mich erst daran gewöhnen, andere Leute wieder zu verstehen, aber es brachte mir auch Vorteile auf diese Weise frei zu sein.
Ich hatte in Kriegen gekämpft, die andere Männer als emotionale Krüppel zurückgelassen hatten, war in Gegenden gereist, die kein Mensch mit einem unreinen Herzen betreten konnte, ohne für immer darin gefangen zu sein.
Für mich war das alles kein Problem gewesen, denn ich hatte kein Herz mehr, dass verführt oder verängstigt werden konnte.

Schließlich brachte meine Reise mich hier her.
Zu ihr.
Auch ohne mein Herz erkannte ich schnell, wie wunderbar sie war und ich merkte auch, dass sie in ihrer Art aufrichtig war und es ernst meinte, wenn sie sagte, dass sie nicht wollte, dass ich sie je wieder verließ.
Ich kann mir nicht erklären, wie sie etwas für mich empfinden kann, wo ich doch nur eine leere Hülle bin.
Emotionslos und kalt.
Aber sie tut es und auf meine Weise freue ich mich darüber, auch wenn ich es ihr nicht zeigen kann.

Doch nun war es an der Zeit, dass ich ihr erzählte was geschehen war, warum ich sie nicht so lieben konnte, wie sie mich.
Und dann würde ich sehen, wie sie reagierte.
Würde sie mich weiterhin lieben, wenn sie wusste, dass ich mein Herz wegen einer anderen Frau weggegeben hatte?
Würde sie es nicht verstehen und sich von mir entfernen?
Es gab nur einen Weg, dass herauszufinden.
Und wie auch immer ihre Entscheidung ausfallen würde, eines war klar: Ich würde – noch einmal – von hier fort müssen.

Entweder um weiter zu ziehen oder um zurückzukehren, damit auch sie vollends glücklich werden konnte.
Wenn sie mich weiterhin an ihrer Seite wollten, dann musste ich zu Rosalia zurückkehren um mein Herz zu holen, damit auch ich diese wunderbare Frau von ganzem Herzen lieben konnte.

~ 855 Wörter inkl. Titel

Behind the scenes

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DE_Entw1 - buntWir wir auf Facebook schon geschrieben haben, gibt es das Projekt jetzt seit einem Jahr, ist das nicht gruselig?

Jedenfalls dachte ich mir, dass zum Valentinstag vielleicht auch mal eine Geschichte passt, die ein wenig romantisch ist ohne allzu kitschig zu klingen – hoffe ich zumindest, also dass sie nicht kitschig klingt, wenn ich da an ein paar Sachen von Warlords denke, die wir dringend noch überarbeiten müssen…

Wie auch immer, das Foto stammt von der großartigen Liathano, deren Bilder man auf Selenohphile Art finden kann und es verleitete mich einfach dazu etwas über gestohlene/entfernte Herzen zu schreiben.

Wenn man sich alte Legenden (Kotschtschei aus dem Russischen zum Beispiel, bei dem es mal Herz, mal Seele ist) und moderne Sachen wie Once Upon a Time anschaut, merkt man, dass das doch ein recht verbreitetes Bild ist. An Letzteres habe ich ein wenig die Art und Weise der Entnahme angelegt, weil es doch ein recht interessanter Prozess in der Serie ist.

Ich hoffe euch hat die Geschichte gefallen und ihr habt einen schönen Sonntag/Valentinstag. 🙂

Passend dazu werde ich mir heute Abend die romantische Drama/Komödie „Deadpool“ anschauen gehen. 😉

Bis dann

PoiSonPaiNter

P.S. Ihr wollt auch eine Geschichte zu einem eurer Bilder? Dann lest hier nach wie es geht: Dein Bild – Eine Geschichte.

Die Rechte des Bildes liegen bei Linda Dannenberg, die der Geschichte bei mir. Eine Nutzung oder Weitergabe ist ohne unsere jeweilige Genehmigung nicht erlaubt.

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Lies auf Deutsch

EN_Entw1 - buntTranslation follows soon

P.S. You want to have a story for one of your pictures as well? Read here how it is done: Your Picture – A Story.

The rights for the story are mine, the ones for the pictures belong to Linda Dannenberg. Story and Picture are not to be used or copied without consent of either.

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