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(c) Babsi Becken

(c) Babsi Becken

Entkommen

Karow schloss  für einen Moment die Augen und atmete langsam ein und aus.
Seine Hände umklammerten noch immer krampfhaft das Steuerrad.
Er spürte wie Regen und den Schweiß noch immer in Rinnsalen über seine Arme flossen.
Alles um ihn herum war still, nur das Segel flatterte leicht im abflauenden Wind.

Dann durchdrang ein freudiger Aufschrei die Ruhe und andere stimmten mit ein.
Mit einem Lächeln auf den Lippen öffnete Karow wieder seine Augen und betrachtete seine Mannschaft von der Brücke aus, die sich in den Armen lag.
Nun erlaubte er sich das Steuerrad loszulassen, auch wenn es ihm noch immer schwer fiel seine Finger davon zu lösen.

Kurz darauf wurden die ersten Rufe nach Rum zum Feiern laut und Karow lachte.
„Nicht so voreilig, meine Guten!“ versuchte er sie zurück zu halten.
Die Gefahr mochte zwar vorerst gebannt sein, aber das hieß noch lange nicht, dass sie sich in Sicherheit wiegen konnten.
Karow gab ein paar knappe Anweisungen und seine Männer befolgten sie ohne Murren, denn sie wussten, dass die Zeit des Feierns noch nicht gekommen war.

Aufmerksam betrachtete er den Himmel.
Noch immer hingen dort die dicken Wolkenberge, die sie zuvor noch vollends umgeben hatten, aber die Sonne bahnte sich bereits einen Weg durch sie hindurch.
„Das war verdammt knapp“, kommentierte sein erster Offizier, der sich unbemerkt neben ihn gestellt hatte.
Karow nickte kaum merklich und der andere ergänzte: „und verantwortungslos“.
„Ich weiß“, bestätigte Karow, nicht im geringsten beleidigt oder gekränkt von der ausgesprochenen und unterschwelligen Rüge.
Sie waren eine Mannschaft in der jeder sagen konnte, was ihm durch den Kopf ging. Das Gesagte musste angehört und als Meinung des anderen akzeptiert werden. Und jeder seiner Männer hatte so auch das Recht seine Handlungen in Frage zu stellen, auch wenn viele von ihnen zu viel Respekt hatten, um es tatsächlich zu tun.
Er war froh, dass Perth immer bereit war, ihm zu widersprechen und entgegenzustellen, wenn er es für richtig hielt; dafür hatte er ihm seinen Rang gegeben.
„Aber es war unsere einzige Chance ihnen zu entkommen“, verteidigte er sich dennoch.
„Ich weiß“, bestätigte Perth nur und die beiden ließen ihren Blick über das Meer schweifen.
Kaum etwas ließ noch vermuten, dass sie sich noch vor kurzem eine Jagd auf Leben und Tod mit der Marine geliefert hatten.
Als Piraten waren sie der Marine regelmäßig ausgesetzt, meist konnten sie ihr mit ihrem schnelleren Schiff jedoch davon fahren oder sie zumindest im Kampf bezwingen, wenn es dazu kam.

Dieses Mal jedoch waren gleich drei Marine-Schiffe hinter ihnen her gewesen. Das Langsamste von ihnen blieb schnell hinter den anderen zurück, aber diese konnten gut mit der Heart of Gold mithalten und hatten bald aufgeschlossen. Auch wenn die Kanonenkugeln ihr Ziel verfehlten, so hatte nicht viel gefehlt um sein Schiff zu versenken oder zumindest schwer zu beschädigen.

Dann plötzlich war eine Sturmfront über dem Meer aufgezogen und ihm kam eine wahnwitzige Idee, wie sie es schaffen konnten ihren Feinden zu entkommen.
Er gab seinen Männern die Anweisung, das Deck zu räumen, die Segel so fest zu binden und zu halten, wie es ihnen nur möglich war und sich selbst dabei zu sichern. Als sie ein Großteil des Schiffes und der Besatzung auf diese Weise gesichert waren steuerte er das Schiff direkt in den Sturmwind hinein.
Einige Männer verloren den Halt als der Wind aufbrauste und das Segel ergriff, doch noch bevor sie über die Reling fielen, konnten sie von ihren Kameraden festgehalten werden.
Mit gewaltiger Kraft trieb der Sturm sie vorwärts und zerrte immer mehr am Tuch, sodass die Männer in den Seilen hingen und sich dagegen stemmten. Die Marine versuchte hinter ihm das Gleiche, aber ihre Segel rissen und er konnte die Schreie der Männer hören, die von Board geschleudert wurden.
Karow wagte einen Blick zurück und sah, wie eines der Schiffe direkt auf das andere zusteuerte. Wenn es nicht sofort beidrehte, würde es das andere Schiff rammen.
Und das tat es auch kurz darauf.
Er hörte das Holz splittern und krachen, die Männer schrien und er brachte es nicht über sich, sich noch einmal umzudrehen um zu sehen, wie die beiden Schiffe sich ineinander verkeilt hatten, den jetzt musste er handeln.
Dies war ihre Chance und noch einmal steuerte er sein Schiff weiter in den Sturm hinein, damit er sie weit von hier fort tragen konnte.

Mittlerweile peitschte der Regen auf sie nieder und große Wellen schwappten auf das Deck des Schiffes. Durch das ständige Schwanken hatte sich eine der Kanonen gelöst und einige Männer versuchten sie mit ein paar Seilen zu befestigen, bevor sie jemanden erschlagen konnte. Der Druck des Windes wurde so gewaltig, dass die Segel an einigen Stellen aufrissen; dort wo sie bereits bei anderen Stürmen kleinere Schäden erlitten hatten.
Aber die Segel hielten.
Und auch seine Männer blieben von den Wellen verschont.
So kräftig sie auch über das Deck fegten, keiner von ihnen folgte ihnen zurück ins Meer.

Ohne Vorwarnung ließ schließlich der Wind nach und trieb sie nur noch langsam voran, bis er fast vollends zum Erliegen kam und sie schließlich mit locker hängenden Segeln auf der Stelle treibend von den letzten Wellen leicht hin und her geschaukelt wurden.
Dies gab ihnen endlich die Chance einen Moment durchzuatmen und das Schiff verfiel in Schweigen.

Nachdem Karow einem Moment seinen Gedanken nachgehangen hatte spürte er wie leichter Wind im über das Gesicht blies. Sofort wies er seine Männer an, die Flickarbeiten, die er ihnen zuvor aufgetragen hatte, zu beenden und die Segel wieder vollständig zu hissen, um den neuen Wind zu nutzen.
Wenn sie jetzt hier liegen bleiben würden, bestand die Gefahr, dass die Marine sie doch noch einholte, falls ihre Schiffe nicht vollends im Sturm dahingerafft wurden und darauf wollte Karow es nicht ankommen lassen.

~ 931 Wörter inkl. Titel

Behind the scenes

Read in English
DE_Entw1 - buntSeit langem Mal wieder gibt es eine Bildgeschichte und tatsächlich hätte diese Geschichte eigentlich schon letzten Sonntag veröffentlicht – und somit unser Mai-Beitrag – werden solle, aber irgendwie hatte ich dann doch keine Zeit/Lust meinen Entwurf abzutippen und fertig zu machen, daher gibt es die Geschichte heute.

Das Bild stammt mal wieder von der guten Babsi, die mittlerweile für ihre Konzert- und Festival-Fotografie eine eigene Seite hat: Babsis Bilder. Schaut doch mal bei Gelegenheit vorbei!

Als ich das Bild das erste Mal gesehen habe, waren meine ersten Gedanken, dass die Geschichte etwas mit einem Sturm zu tun hatte. Ob es nun vor oder nach dem Sturm war, war mir noch nicht ganz klar und eventuell war auch jemand gekentert, aber der Rest fehlte noch.
Vor zwei Wochen dann war die HGWAnime 42 zum Thema Ninjas vs. Piraten und natürlich schlichen sich letztere in die Geschichte ein und den Rest konntet ihr dann ja oben lesen…

Wer ein bisschen meinen Blog in der Zwischenzeit verfolgt hat, dem werden die Namen Karow und Perth vielleicht bekannt vorkommen, zumindest wenn man sie richtig schreibt, so wie ihre Namens-Inspiration, nämlich Carrow und Perf aus Journey Quest. Eine Fantasy Web-Serie, die es sich definitiv anzuschauen lohnt.
Und wo wir gerade bei Referenzen sind: Wer Per Anhalter durch die Galaxis gelesen hat – ich glaube im Film wurde es nicht gesagt, auch wenn es zu sehen ist – erinnert sich vielleicht noch daran, dass das (Raum)Schiff mit dem sie unterwegs sind(, dem mit dem Unwahrscheinlichkeitsantrieb) Heart of Gold bzw. im Deutschen Herz aus Gold heißt. Ich habe es aber beim Englischen gelassen, weil die Übersetzung irgendwie merkwürdig klingt, aber der Name irgendwie doch gepasst hat. 😉

Wer mag, kann heute übrigens auch mal bei meinem Blog vorbei schauen, da gibt es auch was Interessantes. 😉

PoiSonPaiNter

P.S. Ihr wollt auch eine Geschichte zu einem eurer Bilder? Dann lest hier nach wie es geht: Dein Bild – Eine Geschichte.

Die Rechte des Bildes liegen bei Babsi Becken, die der Geschichte bei mir. Eine Nutzung oder Weitergabe ist ohne unsere jeweilige Genehmigung nicht erlaubt.

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Lies auf Deutsch

EN_Entw1 - buntTranslation follows soon

P.S. You want to have a story for one of your pictures as well? Read here how it is done: Your Picture – A Story.

The rights for the story are mine, the ones for the pictures belong to Babsi Becken. Story and Picture are not to be used or copied without consent of either.

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