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(c) Ingrid Leis

Schicksalserbin

Zum Anfang der Geschichte

Es war bereits später Abend, als Sam und Zoe das großräumige Zimmer betraten, das die Königin ihnen hatte zuweisen lassen.

Wie Sir Reginald gesagt hatte, waren sie vor Einbruch der Nacht im Schloss eingetroffen. Von Greifenwalde hatte sie in den Thronsaal gebracht, wo sie dann ihre ganze Geschichte erzählt hatten. Die Königin, ihr Berater und von Greifenwalde hatten den beiden Studentinnen aufmerksam zugehört. Dann hatten sie gemeinsam im Hof den Geisterbahnwagen untersucht. Schlussendlich hatte die Königin, die etwa im gleichen Alter wie Sam und Zoe war, den Mädchen versprochen ihnen zu helfen wieder nach Hause zu kommen. Bis dahin sollten sie als persönliche Gäste Ihrer Majestät im Schloss leben.

Zoe ließ sich auf das große Bett fallen. Die Vorhänge des roten Baldachins raschelten leise. Sam trat an eines der hohen Fenster und blickte in die Nacht hinaus.
„Ich kann es kaum glauben. Wir sind echt durch die Geisterbahn in eine andere Welt gefahren.“, meinte sie, betrachtete die Wachfeuer im Schlosshof und ließ ihren Blick dann zu der Stadt, die das Schloss umgab hinübergleiten.
„Was glaubst du will die Königin uns morgen zeigen?“, fragte Zoe und setzte sich auf.
Sam drehte sich herum und lehnte sich gegen die gepolsterte Fensterbank. „Weiß nicht…“, überlegte sie.
„Ich will nach Hause, Sam!“, schluchzte Zoe plötzlich.
Sam kam zu ihr herüber, setzte sich neben sie und legte ihr einen Arm um die Schultern.
„Ich weiß. Ich auch. Und wir kommen sicher auch wieder nach Hause. Die Königin und von Greifenwalde wirkten doch sehr zuversichtlich.“, beruhigte sie ihre Freundin.

Nach einer Weile hatte Zoe sich wieder beruhigt und meinte: „Was glaubst du, warum die Königin so zuversichtlich war?“
„Gute Frage. Jetzt wo du’s sagst… irgendwie wirkte niemand sonderlich überrascht, dass wir aus einer anderen Welt kommen.“
„Hmm… du hast Recht. Meinst du die haben uns irgendwie hergeholt?“
„Ich weiß es wirklich nicht. Lass uns schlafen und den morgigen Tag abwarten, vielleicht wissen wir dann mehr.“
Zoe nickte und die beiden begaben sich zu Bett.

Am nächsten Morgen, Zoe und Sam waren bereits wach und hatte sich soweit fertig gemacht, klopfte es an der Tür. Sam saß auf der breiten Fensterbank und beobachtete das Treiben in der erwachenden Stadt. Zoe lümmelte in einem Sessel vor sich hin.
„Ja?“, fragte Zoe zur Tür gewandt und rutsche in ihrem Sessel wieder in eine aufrechte Sitzposition.
Auch Sam blickte erwartungsvoll zur Tür. Sie wurde vorsichtig geöffnet und ein Diener betrat den Raum. Er verneigte sich tief. Als er wieder hoch kam hielt er den Kopf demutsvoll gesenkt und den Blick fest auf den teuren Teppich geheftet.
„Ihre Majestät bittet Euch zu Tisch. Ich wurde geschickt, die Damen in den Speisesaal zu geleiten.“, erklärte er und wartete in leicht verneigter Stellung, bis die beiden Mädchen an ihm vorüber waren. Er schloss die Tür und ging dann voraus.

Die Königin saß am Ende eines langen Tisches. Freundlich begrüßte sie ihre beiden Gäste und wies ihnen je einen Stuhl an ihrer Seite zu. Kaum saßen Sam und Zoe trugen auch schon einige Diener ein üppiges Frühstück herbei. Neben frisch gebackenem Brot, frischem Obst und Käse gab es auch gebratenes Fleisch und gegrillten Fisch. Mit großen Augen musterte Sam was dort alles aufgetragen wurde. Die Königin lächelte und ließ sich von einer Magd den goldenen Kelch mit verdünntem Wein füllen.
„Wohl an. Lasst es euch schmecken.“, forderte die Königin ihre Gäste auf und prostete ihnen mit dem Weinkelch zu.
Sam und Zoe bedankten sich und ließen es sich schmecken.
Nachdem wieder alle Platten, Schüsseln und Körbe abgeräumt waren, hielt Zoe es nicht mehr aus.
„Was wolltet Ihr uns heute zeigen, Majestät? Und warum überrascht es Euch gar nicht, dass wir aus einer anderen Welt kommen?“, fragte sie.
Die Königin der Lichtlande lachte auf. Dabei hielt sie sich vornehm eine Hand vor den Mund.
„Du hast Recht. Ich habe euch lange genug auf die Folter gespannt. Nun denn. Folgt mir.“
Damit erhob sich Adalia Maria Sophia Antoinette die Erste. Sie gab einem Diener einen Wink und befahl ihm von Greifenwalde in die königliche Bibliothek zu schicken. Dann nickte sie Sam und Zoe zu und schritt voraus. Neugierig, was die Königin ihnen wohl in der Bibliothek zeigen wollte, folgten die Mädchen ihr. Von Greifenwalde traf zeitgleich mit ihnen in der Bibliothek ein.

„Holt mir die Chroniken meiner Familie her!“, befahl die Königin, kaum dass sie den großen Raum voller Bücher betreten hatte.
Sogleich eilte ein alter Mann an den Regalen entlang. Nach wenigen Minuten brachte er ein dickes in Leder gebundenes und altes Buch herbei und wuchtete es auf ein Lesepult am Fenster. Die Königin öffnete das Buch und schlug die erste Seite auf. „Dies ist das Wappen meiner Familie. Seit Jahrhunderten führen wir es mit Stolz.“, erklärte sie.
Sam betrachtete die Abbildung neugierig. „Aber das ist ja… das ist unsere Welt!“, stellte sie überrascht fest. Tatsächlich war im Hintergrund des Wappens eine alte Weltkarte zu sehen. Davor prangten zwei gekreuzte Schwerter, die von einer Krone umfasst wurden.
„Aber wieso ist in Eurem Wappen eine Weltkarte zu sehen?“, fragte Zoe, die das Wappen nun auch genauer ansah.
„Nun, dies liegt daran, dass unser Urahne aus eurer Welt stammte.“
Sprachlos starrten Zoe und Sam die Königin an. Diese lächelte mild und blätterte eine Seite weiter. Dort zwischen den Seiten steckte ein altes Foto, das so verblichen war, dass nichts mehr zu erkennen war. Allerdings hatte ein äußerst talentierter Künstler das Bild augenscheinlich in das Buch übertragen. Ungläubig starrte Sam das gezeichnete Foto an. Auf den Stufen vor einer Tür eines Fachwerkhauses standen ein alter Mann und eine alte Frau. Zoe blickte ihrer Freundin über die Schulter.
„Was ist denn los? Warum guckst du so Sam?“
„Das sind meine Urgroßeltern.“
„Bitte? Du musst dich irren. Wieso sollte das Bild von deinen Urgroßeltern sein?“
„Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich mich nicht irre. Genau dieses Bild hängt bei meiner Oma in der Küche. Es sind ihre Eltern.“
„Dies sind eure Vorfahren Sam?“, fragte die Königin überrascht.
Sam nickte nur und starrte immer noch auf das Bild.
„Nun so sind wir wohl entfernte Verwandte. Der Urahne meiner Familie kam vor eineinhalbtausend Jahren aus eurer Welt in die unsere. Er lebte einige Jahre hier, bevor er eine Möglichkeit fand wieder zurückzukehren, doch er blieb. Er erlangte großen Ruhm im legendären Krieg um die Freiheit der Lichtlande. Er heirate eine Frau von hohem Range und schließlich wurde er der erste König der Lichtlande. Sein Name war Joseph.“, erklärte die Königin.
„Meine Oma hatte einen Bruder der so hieß. Als sie fünfzehn war, verschwand ihr zwei Jahre älterer Bruder spurlos und tauchte nie wieder auf…“, entgegnete Sam nur.
„Aber wie können seitdem hier mehr als 1000 Jahre vergangen sein?“, fragte Zoe.
„Die Zeit in Eurer Welt scheint langsamer zu vergehen als in unserer“, meinte von Greifenwalde.
„Sam, es scheint als sei es Schicksal, dass Ihr gerade jetzt hierhergekommen seid. Der dunkle Herrscher des Schattenlandes rüstet zum Krieg gegen die Lichtlande. Zwar gab es immer wieder kleiner Gefechte und die Feindschaft währte immer, aber zuletzt kämpften so große Truppen für das Schattenland, als unser erster König diese Welt betrat.“
Ungläubig starrten Sam und Zoe die Königin an.

– 1187 Wörter (inkl. Titel)

Behind the Scenes

Read in English
DE_Entw1 - buntVor zwei Wochen hatte ich ja bereits angekündigt, dass es eine Fortsetzung geben würde. Da ist sie nun. Ich kann mir gut vorstellen, dass auch dies noch nicht das Ende war. Allerdings glaube ich nicht, dass es in zwei Wochen wieder an dieser Geschichte weiter geht. Das würde ja auf Dauer langweilig 😉

Das Bild wurde mir von Ingrid zugesendet. Wir „kennen“ uns durch eine Postkarten-Tauschaktion. Seitdem haben wir hin und wieder E-Mails ausgetauscht. Ich freue mich wirklich, dass dir unsere Geschichten gefallen, liebe Ingrid, und ich hoffe das auch die zu deinem Bild dir gefällt. Viel Spaß damit!

DarkFairy

P.S. Ihr wollte auch eine Geschichte zu einem eurer Bilder? Dann lest hier nach wie es geht: Dein Bild – Eine Geschichte.

Die Rechte des Bildes liegen bei Ingrid Leis, die der Geschichte bei mir. Eine Nutzung oder Weitergabe ist ohne unsere jeweilige Genehmigung nicht erlaubt.

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Lies auf Deutsch

EN_Entw1 - buntTwo weeks ago I already announced that the story will have a continuation. Here it is now. I can well imagine that this is not the end of it.
Though I don’t think that it will be continued in two weeks again. That would be boring in the long run. 😉

The picture was send to me by Ingrid. We „know“ each other through Postcard-Switch. Since then we exchanged a few e-mails now and again. I’m really happy, that you like our stories, dear Ingrid, and I hope you like the one for your picture as well. Have fun with it!

DarkFairy

P.S. You want to have a story for one of your pictures as well? Read here how it is done: Your Picture – A Story.

The rights for the story are mine, the ones for the pictures belong to Ingrid Leis. Story and Picture are not to be used or copied without consent of either.

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