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(c) Annett Prodöhl

(c) Annett Prodöhl

Die Mispel

Es war einmal ein junger Baum, der wurde in einen wunderschönen Garten gepflanzt. In diesem Graten grünten und blühten viele bunte Blumen und Kräuter um den Baum herum und die Menschen kamen, um sie hier zu erholen und etwas Ruhe zu finden.
Der Baum stand in diesem Garten für viele, viele Jahre und wuchs immer höher und höher dem Himmel entgegen.
Eines Sommers dann war es endlich soweit und seine Äste trugen das erste Mal Fürchte.

Der Baum war furchtbar stolz auf seine Früchte. Er konnte es kaum erwarten, dass die Leute, die immer im Garten spazieren gingen, kamen, um seine Früchte zu kosten.
Einige der Männer kamen, reckten sich und rissen eine Frucht ab, um sie zu probieren. Die ersten Male wurde sie dann einfach fallen gelassen oder weggeworfen, weil sie noch nicht reif waren. Das stimmte den Baum traurig, aber er hoffte, dass sie ihnen besser schmecken würden, sobald sie richtig reif waren.
Ein paar Tage vergingen und die Männer versuchten es erneut, diesmal nahmen sie gleich mehrere Früchte mit, sie schien ihnen zu schmecken.
Ein Mal kam ihn ein Pärchen besuchen. Er kletterte zu seinen Ästen hinauf und pflückte eine Frucht und teilte sich diese nun mit ihr. Er fand es romantisch die beiden zu beobachten. Über diese kleinen Dinge freute sich der Baum besonders.
Aber viel Interesse bestand an seinen Früchten nicht.

Der Sommer ging zu Ende und seine Früchte fielen reif und schwer von seinen Ästen herab. Der Baum war traurig, denn nun würde sie niemand mehr essen.
Eines morgens jedoch kam eine kleine Dame zu ihm. Er hatte sie schon oft gesehen und sie hatte ihn auch schon oft beobachtet, aber sie war nie so dicht an ihn herangekommen.
Vorsichtig kletterte sie auf den kleinen Absatz auf dem er stand und kniete sich zu den heruntergefallenen Früchten herab.
Sie hob eine auf und kostete sie.
Ein Geräusch der Glückseligkeit entfuhr ihr und sogleich machte sie sich einen Beutel aus ihrem Rock und sammelte sie alle heruntergefallenen Früchte darin auf. Sie setzte sich auf den Absatz, ließ ihre Beine baumeln und verspeiste ihre Ernte genüsslich.

Am nächsten Tag kam sie erneut und wieder kletterte sie auf den Absatz, sammelte die Früchte ein und setzte sich in den Schatten des Baumes und aß. Der Baum freute sich darüber, dass ihr seine Früchte so gut schmeckten, aber er verstand nicht, warum sie nur die heruntergefallenen nahm, wenn sie doch auch die reifen von seinen Ästen nehmen konnte.

Am dritten Tag dann wurde es ihm klar: Sie war zu klein, um an seine Äste zu reichen oder an seinem Stamm empor zu klettern, wie es einige der Jünglinge getan hatten.
Am vierten Tag fing der Baum an noch nicht ganz reife Früchte fallen zu lassen, damit sie etwas Frischeres hatte, aber ihr fiel der Unterschied kaum auf.

Der Baum überlegte hin und her, wie er es schaffen konnte, dass die kleine Dame einfacher an seine Früchte gelangte, ohne, dass sie erst zu Boden fallen mussten.
Dann traf es ihn wie ein Blitz.
Er musste wachsen, aber nicht weiter in die Höhe, sondern hinab zu ihr.
Also begann der Baum mühsam seine Krone zur Seite zu legen, um immer weiter gen Boden zu wachsen.

Einige Sommer vergingen und jedes Jahr kam die kleine Dame wieder und sah sehnsüchtig nach den Früchten auf seinen Ästen. Noch war sie nicht tief genug, aber bald würden sie für die kleine Dame erreichbar sein.

Weitere Jahre vergingen und der Baum war über den Weg gewachsen, der unter dem Absatz verlief. Seine Spitze berührte nun fast den Boden auf der anderen Seite. Seine Äste hingen voll beladen und reif und er wartete sehnlichst auf die kleine Dame, denn er war sich sicher, dass sie dieses Jahr seine Früchte direkt pflücken konnte.

In diesem Sommer musste er lange warten und hatte fast schon aufgegeben, als sie endlich kam. Voller staunen ging sie auf den Baum zu, sie hatte nicht bemerkt wie schief er gewachsen war, da sie die letzten Sommer nur wenig Zeit in seinem Garten verbracht und meist nur auf die zu Boden gefallenen Früchte geachtet hatte. Vorsichtig stellte sie sich auf die Zehenspitzen und angelte nach einem Ast.  Als sie ihn ergriffen hatte, hielt sie ihn mit einer Hand fest und pflückte sich nun eine reife Frucht mit der anderen. Als sie ihre Beute sicher in der Hand hielt ließ sie sanft den Ast los und sich wieder auf die Fußballen sinken und betrachtete die Frucht für einen Moment. Dann kostete sie sie und die Frucht schmeckte noch viel besser als alle Früchte, die sie bisher gegessen hatte. Denn diese Frucht war nur für sie gewachsen, auf einem Baum, der sich nur für sie nicht dem Himmel entgegen gestreckt, sondern sich wieder dem Boden zugewandt hatte.

Dies war der schönste Moment im Leben des Baums, der von nun an die süßesten und besten Früchte im Land trug, damit die kleine Dame stets davon essen konnte.

– 824 Wörter (inkl. Titel)

Behind the scenes

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DE_Entw1 - buntDieses Bild ist auf gewisse Art ein besonderes Bild, denn dieses Bild ist im Prinzip daran Schuld, dass ich angefangen habe über diese Art von Geschichten wieder nachzudenken und mich schlussendlich entschieden habe, meinen Adventskalender vom letzten Jahr auf diese Art zu schreiben. Und ohne den, gäbe es dieses Projekt hier nicht. 😉

Damals hatte Annett (aka „die kleine Dame“ 😉 ) das Bild auf ihre Seite gestellt und eine gemeinsame Bekannte hatte sich gewundert, warum der Baum so krumm gewachsen war, woraufhin ich dann diesen kleinen Absatz als Erklärung geschrieben habe:

Es war einmal vor langer Zeit in einem wunderschön angelegtem Garten. Eine kleine Dame Stand vor einem hochgewachsenen Baum voller reifer Früchte. Zu gerne hätte sie von ihnen gekostet, doch es gelang ihr nicht sie zu erreichen. Nur die heruntergefallen konnte sie probieren und da sie ihr so gut schmeckten kam sie jeden Tag und sammelte die Früchte auf.

Der Baum bemerkte sie bald und sah auch, wie die Dame sich grämte, dass sie nie die Früchte an seinen Ästen erreichen würde. Kurz darauf beschloss er, ihr entgegen zuwachsen, sodass auch sie von seinen Früchten kosten konnte.

Aus der kleinen Geschichte, ist dann jetzt die große Geschichte oben entstanden. 🙂

Für die biologisch Interessierten: Der Baum ist übrigens eine Mispel und steht im Schlosspark in Quedlinburg. 😉

Ich hoffe euch hat das kleine Märchen gefallen.

Bis zum nächsten Mal.

PoiSonPaiNter

P.S. Ihr wollt auch eine Geschichte zu einem eurer Bilder? Dann lest hier nach wie es geht: Dein Bild – Eine Geschichte.

Die Rechte des Bildes liegen bei Annett Prodöhl, die der Geschichte bei mir. Eine Nutzung oder Weitergabe ist ohne unsere jeweilige Genehmigung nicht erlaubt.

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Lies auf Deutsch

EN_Entw1 - buntTranslation follows soon

P.S. You want to have a story for one of your pictures as well? Read here how it is done: Your Picture – A Story.

The rights for the story are mine, the ones for the pictures belong to Annett Prodöhl. Story and Picture are not to be used or copied without consent of either.

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