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(c) Marina Bonzelet

(c) Marina Bonzelet

Vorbereitungen

Der Winter war eingebrochen und wie Lukas es erwartet hatte, war es in der kleinen Kirche furchtbar kalt. Der Wind fand jede noch so kleine Lücke im Mauerwerk und jegliches Heizen in den Räumen des Pfarrhauses brachte so gut wie nichts. Dennoch war er froh, dass er sich im Herbst dafür entschieden hatte zu bleiben, auch wenn der Abt ihm vergeben hatte und er Heim in seinem Kloster hätte sein können.
Er wusste einfach, dass er hier eher gebraucht wurde, als zu Haus. Dennoch verschlimmerte sich sein Heimweh je dichter das Weihnachtsfest rückte.
Das ganze Kloster und auch ein paar Geistliche aus den benachbarten Regionen kamen zu dieser Zeit zusammen und hielten gemeinsam einen Weihnachtsgottesdienst bevor eine große Tafel aufgetragen wurde, die mit vielen verschiedenen Speisen gefüllt war. Es war ein herrliches Fest.

Hier würde er so etwas nicht haben, aber der Pfarrer hatte ihm von einer anderen Tradition berichtet.

An den Tagen vor und um Weihnachten, aber besonders an den Adventssonntagen und den Weihnachtstagen selbst würden verschiedene Gemeindemitglieder sie zum Essen einladen, meist sogar am selben Tag. Für Lukas und den Pfarrer bedeutete das, dass sie zu jeder der Familien gingen, das Essen und die Familie segneten und als Dank einen Happen bekamen. Die Menschen in ihrer Gegend hatten nicht viel, aber was sie hatten waren sie bereit zu teilen wenn es darauf ankam und das besonders in der Winterzeit. Mit dem Festmahl im Kloster konnte das allerdings nicht verglichen werden.

Es würde eine mühsame Weihnachtszeit werden aber der Alte freute sich bereits darauf, diese Erfahrung mit Lukas teilen zu können. Er hatte Lukas sogar versprochen, dass auch er sogar hin und wieder den Segen sprechen durfte. Lukas glaubte nicht, dass er schon soweit war, aber der Pfarrer war sich sicher, schließlich hatte der Mönch ihm auch schon bei seinen Predigten geholfen und kannte die Worte.

Noch mehr als auf die Hausbesuche freute der Pfarrer sich allerdings auf die große Weihnachtsmesse in der Nachbargemeinde. Dort gab es eine große Kirche, für ihn fast schon eine Kathedrale, und zu dieser Messe kamen nicht nur die Menschen von nah und fern, sondern auch Geistliche aus verschiedenen Gemeinden mit ihren Schäfchen. Jeder Geistliche war eingeladen ein paar Worte in der Messe zu sagen oder einen Vers aus der Bibel vorzulesen. Vor allem die Weihnachtsgeschichte wurde von mehrere vorgelesen, während einige ausgewählte aus der Stadt das Gelesene nachspielten. Es war ein Ereignis, dass niemand verpassen wollte, der je davon gehört hatte. Jedes Jahr war die Besetzung eine andere und das Spiel war dadurch immer etwas anders.

Der Pfarrer würde auch in diesem Jahr wieder einen Teil der Geschichte vorlesen, das hatten sie beim ersten Treffen der Geistlichen beschlossen und er freute sich sehr darauf. Lukas und einige der anderen jüngeren Gehilfen wurden eingeteilt die Gesangsbücher zu verteilen, den Älteren auf ihre Plätze zu helfen, bei der Betreuung der Tiere und Kinder zu helfen oder immer da anzupacken, wo es gerade benötigt wurde. Dennoch wurde ihm versprochen, dass er Zeit hatte um sich das Spiel anzusehen, auch wenn er das noch nicht ganz glaubte.

Als er das Gebäude das erste Mal von weitem gesehen hatte wurde er nervös. Er fühlte sich fehl am Platz, klein und unbedeutend in der Gegenwart der hohen Kirche mit ihren Türmen und Verzweigungen. Es war eine wunderschöne Kirche und eine der beeidruckensten, die er je gesehen hatte, aber das war nicht sonderlich schwer, da er nur wenige gesehen hatte.

Bei einem späteren Treffen zu einer der letzten Absprachen lag bereits Schnee auf den hohen Zinnen und machte den Anblick noch wesentlich beeindruckender. Je näher die Messe rückte, umso aufgeregter wurde Lukas, denn danach würden die Hausbesuche beginnen. Der Pfarrer beruhigte ihn immer wieder in den Tagen vorher und auch während sie auf die Gemeindemitglieder warteten, die sie zur Messe begleiten würden. Zwei Wagen standen bereit und waren mit Decken und Heu ausgelegt, sodass die Leute nicht allzu sehr frieren mussten auf ihrer Fahrt. Es waren nicht viele, die sie begleiteten, aber einige ließen es sich nicht nehmen das Spiel zu sehen, da es so etwas in ihrer kleinen Kirche nicht gab. Während die Mitglieder freudig lachten und scherzten, zitterten dem jungen Mönch die Knie.

„Ich sollte nervöser sein als du mein Junge. Schließlich muss ich etwas lesen.“ Kommentierte der Pfarrer im Scherz.
„Ich weiß, aber ihr habt das schon so oft gemacht. Und ich war noch nie unter so vielen Fremden. Im Kloster haben wir zwar auch ein paar Feste, aber da kannte ich die Gemeinde vorher schon.“ Versuchte Lukas zu erklären und gestikulierte dabei mit den Händen.
„Du kennst mich und du kennst unsere Gemeinde, alles andere wirst du wenn nötig schon kennen lernen. Und jetzt komm, sonst verspäten wir uns noch!“ Beendete der Alte die Unterhaltung und klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter und versuchte dann umständlich auf den Kutschbock zu klettern. Lukas half ihm hoch und reichte ihm eine der Decken. Anschließend setzte er sich hinter den Alten auf die Karre und wickelte sich ebenfalls in eine der Decken ein. Die anderen hatten ihre Unterhaltung mitgehört und versuchten jetzt ihm Mut zu machen. Für den Moment half es, aber als sie ankamen wurde er wieder nervös.

Als er vor der Kirche stand blickte er hinauf und musste an seinen Abt denken, der ihn immer wegen seiner Großspurigkeit getadelt hatte und jetzt war ihm nicht mehr danach zu Mute Scherze zu machen oder Streiche zu spielen. Wieder einmal wurde ihm bewusst, wie sehr er sich in seiner Zeit hier verändert hatte und wieder einmal war er dem Abt dankbar ihn hergeschickt zu haben.
Er hatte es bis hierher geschafft, also er würde es auch weiterhin schaffen.
Noch einmal atmete er tief durch und ging dann hinter dann den anderen hinterher, um erst seine Aufgaben heute und dann seine Aufgaben in der Gemeinde auszuführen.

– 967 Wörter (inkl. Titel)

Behind the scenes

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DE_Entw1 - buntGenau genommen wurde dieses Bild, wie auch schon die vorherigen von Babsi nicht wie gewöhnlich eingereicht. Es gehörte mit zu den Bildern, die ich gesehen habe und die mich sofort inspiriert haben. Aber für uns zählt das trotzdem in diese Kategorie hier, da die Bilder uns dann ja auf Nachfrage gegeben werden. 😉
Ich bin aber auch schon wieder mit dem Titel unzufrieden, aber da kann man wohl nichts machen.

Das Bild von Marina ( aka DarkFairy 😉 ) habe ich auf ihrem Blog entdeckt und wurde sogleich an meine Adventskalender-Geschichte vom Mönch Lukas erinnert.
Wer also ein bisschen verwirrt war beim Lesen möge bitte hier nachlesen, wie der junge Mönch in diese Situation gekommen ist:

Durch meine Recherche bin ich übrigens auf folgende Größen-Reihenfolge von christlichen Gebäuden gekommen:

Kirche->Klosterkirche/Abtei->Kathedrale->Dom

Kann das jemand bestätigen oder widerlegen?

Das auf dem Bild ist übrigens die Herz-Jesu Kirche in Koblenz, für Fragen dazu wendet euch aber bitte an Fairy. 😉

Bis zum nächsten Mal.

PoiSonPaiNter

P.S. Ihr wollt auch eine Geschichte zu einem eurer Bilder? Dann lest hier nach wie es geht: Dein Bild – Eine Geschichte.

Die Rechte des Bildes liegen bei Marina Bonzelet, die der Geschichte bei mir. Eine Nutzung oder Weitergabe ist ohne unsere jeweilige Genehmigung nicht erlaubt.

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Lies auf Deutsch

EN_Entw1 - buntTranslation follows soon

P.S. You want to have a story for one of your pictures as well? Read here how it is done: Your Picture – A Story.

The rights for the story are mine, the ones for the pictures belong to Marina Bonzelet. Story and Picture are not to be used or copied without consent of either.

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